Obstbäume veredeln – kopulieren

/ Garten

Obstbäume selber veredeln ist wohl etwas, das jeden Gartenfreak irgendwann mal „juckt“. Anleitungen finden sich viele im Netz, ich will hier nicht abtippen sondern nur beschreiben wie ich es gemacht habe.
Nachdem ich vor Jahren einfach auf gut Glück meinen selbstgezogenen Apfelwildling aufgepfropft habe, und das Glück hatte das sogar ein Ästchen angewachsen ist obwohl ich damals so ziemlich alles falsch gemacht habe was möglich war….. habe ich mich diesmal besser eingelesen.
Ziel der Aktion war ein 10 Jahre alter Zwetschkenwildling der aus dem Wurzelstock eines Zwetschenbaums gewachsen ist, den ein Ahorn, zwei Meter weiter, brutal erstickt hat. Der kleine hat wacker viele Jahre lang unter dem großen Ahorn überlebt, und als der Ahorn umgeschnitten wurde fand ich, das er eine Chance verdient hat.
Die Krone ist hübsch dreiteilig gewachsen und so habe ich bei einer Baumschule, die auf alte Sorten spezialisiert ist, drei Reiser bestellt. Eine Hauszwetschke, eine Pflaume und eine Ringlotte. Die Reiser werden im Dezember geschnitten und gut eingepackt feucht und sehr kühlt (Kühlschrank) bis zur Verwendung gelagert. Das Edelreis darf auf keinen Fall schon im Saft sein, die Unterlage kann schon antreiben. Ich habe mich für die Kopulation mit Gegenzungen entschieden weil die Methode den besten Halt bietet. Geübt habe ich mehrfach auf abgeschnittenen Obstbaumästchen. Ist gar nicht so einfach und der nebenstehende Versuch ist sicher nicht reif für`s Lehrbuch. Man sieht aber ganz gut was gemeint ist. Die beiden Ästchen sollten dafür möglichst gleich dick sein. Von den Edelreisern werden erstmal unten ein paar cm mit der Baumschere gekappt und dann mit einem scharfen Messer der Schnitt gemacht. Wenn der Schnitt „sitzt“ dann zwickt man mit der Baumschere am anderen Ende soweit ab das drei bis vier Augen am Edelreis übrig bleiben. Die Stelle wird danach gut mit einem klebenden Kreppstreifen umwickelt damit sie geschützt ist, das obere Ende mit Baumwachs versiegelt damit es nicht austrocknet oder von Pilzen befallen wird.
Danach beginnt das warten und hoffen das es anwächst.
Grundsätzlich vertragen sich die Steinobstsorten untereinander recht gut, bei den Kernobstsorten ist das nicht der Fall. Äpfel und Birnen auf einem Baum ist fast nicht möglich (es soll in Einzelfällen geduldigen Profis gelungen sein, bleibt aber trotzdem die Ausnahme).
Steinobst ist so verträglich, das es einen Amerikaner gibt der 40 verschiedene Sorten Steinobst auf einen einzigen Baum veredelt und diese, sortenerhaltenden Multigenies als Kunstwerke verkauft.
Wenn die drei Haupttriebe anwachsen habe ich vor weiterzumachen mit Marillen, Pfirsichen und Kirschen. In einem kleinen Garten, wo die Möglichkeit zum Bäume pflanzen beschränkt ist, sind Multiobstbäume eine ideale Lösung verschiedene Obstsorten zu ernten.