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Bauchtanz - Die Ur Religion der Menschheit?

Hypothetische Betrachtung zu Entstehung und Geschichte

Terracotta - Statue der griechischen
Terracotta - Statue der griechischen
Muttergöttin Gaia aus Tangara
Hände am Kopf sind auch heute
Hände am Kopf sind auch heute
noch üblich im Tanz.

Unabhängig davon wie die heutige Form des Bauchtanzes entstanden ist sind sich alle Autorinnen darüber einig, dass die Wurzeln dieses Tanzes in der Frühzeit der Menschheit zu suchen sind. Dokumente darüber finden sich nicht nur in „neuerer„ Zeit, sondern reichen weit zurück. Archäologen haben in der ganzen Welt Statuetten von Frauen (Göttinnen?) ausgegraben, von denen man manche auf über 50.000 Jahre alt schätzt. Viele dieser Figuren in Haltungen, die auch heute noch im Tanz üblich sind.


Was mag die Menschen der Frühzeit dazu bewogen haben, diese Figuren anzufertigen?

Die amerikanische Anthropologin Felicitas Goodman hat in mehrjähriger Forschungsarbeit die Bedeutung von Höhlenmalereien und menschlichen Darstellungen auf Tongefäßen und von Figuren untersucht. Sie ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass diese Darstellungen, die weltweit große Ähnlichkeit aufweisen, nicht nur als Verzierung und Schmuck zu werten sind, sondern präzise Botschaften über Erfahrungsebenen der menschlichen Psyche enthalten, die auch heute noch entschlüsselt werden können.
Die Vermutung liegt nahe, dass der Mensch der Frühzeit nur das dokumentierte, was für ihn von Bedeutung war.
Welche Bedeutung könnten diese fülligen Frauenfiguren für unsere Ahnen gehabt haben? Was mag die Menschen so stark beschäftigt haben, dass auf der ganzen Welt einander sehr ähnliche Abbildungen von Frauen entstanden?

Eine Frage, die in den Menschen aller Kulturen und Zeiten auftaucht und die, abhängig vom jeweiligen Weltverständnis sehr unterschiedlich beantwortet wird, ist die Frage nach unserem Ursprung.
Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Wie entsteht Leben?
Lange vor wissenschaftlichen Erklärungen und philosophischen Konzepten war dem Menschen wohl eines klar: der Ort, wo neues Leben entsteht, ist der Bauch der Frau. Die Fruchtbarkeit der Frau als Ausdruck des Mysteriums der Schöpfung.
Ein Beispiel für das Mysterium von Leben und Tod war die Ägyptische Göttin Nuit (ca. 7000 vor unserer Zeitrechnung) Sie schluckte jeden Abend die Sonne, die während der Nacht durch ihren Bauch wandern musste, um sie am Morgen wieder neu zu gebären.
Das Aufkommen der christlichen Ethik verdrängte dieses Weltbild später jedoch zusehends.
Mitte des 5. Jahrhunderts, finden sich in der Artussage, nur noch Reste die auf alte Fruchtbarkeitskulte hinweisen, in denen die Üppigkeit der Frau und der üppige Wuchs der Saat miteinander in Verbindung gebracht werden.

Um ein besseres Verständnis für die Menschen der Frühzeit zu vermitteln, möchte ich euch liebe Leser nun auf eine kleine Exkursion einladen. Auf den
Werdegang des Menschen:
Jeder neue Erdenbürger durchlebt auf seinem Weg ins Dasein die gesamte Evolution im Zeitraffer. Ein Fötus mit 27 Tagen besitzt noch Kiemenbögen. Mit seinen Arm / Beinknospen, aus denen sich später die Gliedmaßen entwickeln und mit dem Schwanzfortsatz des Steißbeins sieht er aus wie ein unfertiges Reptil. In der 20. Woche sind die Gliedmaßen und der Rumpf dann vom sog. Lanugo (dem Wollhaar) bedeckt. Die Proportionen verändern sich immer stärker zum menschlichen Aussehen hin8.
Ein neugeborenes Kind nimmt seine Umwelt noch nicht so wahr wie ein Erwachsener.
In den 9 Monaten im Mutterleib gab es zwischen dem Baby und seiner Mutter noch keine Grenzen. Nach der Geburt muss das Baby erst lernen, seinen Körper von den ihn umgebenden Dingen und den anderen Lebewesen zu unterscheiden. Bis dahin ist alle Materie ich. Ab etwa dem 4. Lebensmonat beginnt das Kind zu lernen, den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und sich damit zu identifizieren. Diese Phase ist etwa mit 3-4 Jahren abgeschlossen. Parallel dazu findet ein Entwicklungsprozess statt (ab etwa dem 9. Lebensmonat), in dem das Kind sich ein Bild der Welt macht und dieses Bild zu benennen beginnt. Diese Phase dauert etwa bis zum 12 Lebensjahr. Mit dem in dieser Phase erlernten Rollenverhalten begibt sich der junge Mensch nun ins Leben und tiefer in den Bereich des menschlichen Beziehungsgeflechts.
Die Möglichkeit evolutionärer Entwicklung ist an diesem Punkt zwar noch lange nicht ausgeschöpft, aber dennoch machen sich nur sehr Wenige auf den Weg der weiteren Entwicklung des menschlichen Potentials.
Was hat das nun mit unseren Vorfahren und dem Bauchtanz zu tun?
Wir haben hier festgestellt: das menschliche Bewusstsein entwickelt schrittweise immer neue Stufen der Erkenntnis seiner Identität. Jedes Kind durchläuft in seiner Entwicklung den Prozess der Evolution. Lange vor der Fähigkeit, die Welt in abstrakten, verbalen Gedankenkonstrukten zu beschreiben, waren unsere Vorfahren demnach dazu in der Lage, ihre Welt mit dem einzigen Ausdrucksmittel zu beschreiben das ihnen zur Verfügung stand: dem Körper. Durchdenken Verbalisieren und kluge Abhandlungen darüber schreiben konnten sie noch nicht, aber sie konnten das Mysterium nachempfinden und
sie konnten es tanzen!
Sie konnten mit kleinen schnellen Kippbewegungen des Beckens die Koitusbewegungen imitieren, sich mit wellenden Bewegungen des Bauches an Geburtswehen erinnern, und mit weichen runden Bewegungen, die geschmeidige Fortbewegung der Schlange imitieren, die jedes Jahr wieder neu aus ihrer alten Haut geboren wird, so wie die Natur jeden Frühling neu ersteht.
Mit Zunahme der bildhaften Vorstellungskraft und der handwerklichen Fähigkeiten, begannen unsere Vorfahren das Mysterium (bzw. sein Symbol : die tanzende Frau) durch Zeichnungen und Figuren auf eine neue Ebene des menschlichen Verstehens zu heben.
Diese Ebene entspricht der Entwicklungsphase des Kleinkindes, in der es in sich ein Bild der Dinge, die es umgeben, entwickelt und benennt. Erst wenn das Kind das Bild eines Gegenstands verinnerlicht und benannt hat, ist es dazu in der Lage, dieses Bild den Fähigkeiten entsprechend in Form von Zeichnungen und Plastiken zu reproduzieren.
Der nächste Schritt in der Entwicklung des Kindes besteht darin, diese von ihm geschaffenen Dinge zu beschreiben und zu interpretieren. In der globalen Entwicklung des Menschen entspricht diese Phase der Entstehung der Schöpfungsmythen.
So wie das Kind sich auch ein Bild der Beziehung zu seiner Umwelt macht, Rollenverhalten verinnerlicht, und daraus Regeln für den Umgang mit der Welt, die es umgibt ableitet, so konnten diese Schöpfungsmythen als Vorbild für die Beziehung zum Ursprung - zu Gott - dienen. Aus den Mythen kann das „richtige“ Verhalten der Schöpfung und dem Schöpfer gegenüber abgeleitet werden. Der Boden für Gottes - Dienste, kultische Handlungen und religiöse (Re- ligio = Rück - Verbindung) Regeln der Lebensführung war somit aufbereitet. Das in Kontakt - Treten mit dem Mysterium der Schöpfung wurde damit mehr und mehr von der körperlichen Ebene auf den Bereich des Verstandes verlagert.

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