Die Ambivalenz des Tanzes:
Der Bauchtanz ist eine Kunst die der Tänzerin ein sehr breites Spektrum
an Möglichkeiten bietet, Gefühle mit dem Körper auszudrücken.
Anders als bei den neueren westlichen Tänzen, wie zum Beispiel dem
Walzer, bei denen festgelegte Schrittfolgen wiederholt werden, ist der
Bauchtanz der Ausdruck der individuellen Kunst jeder einzelnen Frau. Der
Einsatz von Choreographien ist primär nur bei Gruppen und Bühnenveranstaltungen
üblich.
So bunt wie die Skala menschlicher Emotionen, so facettenreich kann auch
der Tanz sein. Aggression, Lust, Sexualität, das Gefühl für
die eigene Mitte, Liebe, Freude,..... sind Primäremotionen, deren
Ausdruck durch das Dogma der Religionen stark unterdrückt wurde.
Wenn wir diese Tatsache berücksichtigen, wird verständlich,
warum dieser Tanz Reaktionen hervorzurufen imstande ist, die von Entrüstung
und Ablehnung bis zur Begeisterung reichen. Je nachdem, welcher Aspekt
des Tanzes von der Person wahrgenommen wird und in welchem Verhältnis
dieser Mensch zu dem Aspekt seiner Selbst steht.
Zur Zeit lassen sich in Europa drei Hauptströmungen in der Bauchtanzszene
feststellen:
• Zum einen das Milieu der Nachtklub - und Rotlichtszene, in dem
der Tanz primär dazu genutzt wird, die sexuellen Reize des weiblichen
Körpers zur Geltung zu bringen.
• In Opposition dazu: die Bühnentanzszene, die überwiegend,
geradezu „klinisch sauberen„ Bauchtanz publik macht, und vielfach
alle sexuellen Aspekte des Tanzes zu entschärfen versucht.
• Die dritte Gruppe, die in den letzten Jahren sehr starken Zulauf
erlebt hat, wird gebildet von Menschen, die etwas für ihre Gesundheit
tun, den Bezug zum eigenen Körper verbessern wollen, auf der Suche
nach der eigenen Weiblichkeit sind, oder einfach von einer Freundin in
ein Studio „verschleppt“ worden sind und dort Gefallen am
Tanz gefunden haben.