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Bauchtanz und Transformation der Identitätsfixierung

Unter Fixierung der Identität wird hier das ausschließliche, oder zumindestens überwiegende Montieren des Ich-Verständnisses an Teilaspekten der Schöpfung verstanden. Dies ist ein natürlicher Vorgang der Evolution der Bewusstheit des Menschen.
Ein neugeborenes Kind kennt noch keinen Unterschied zwischen sich und der es umgebenden Materie.
Seine Identität lautet: Alle Materie ist Ich!

Ab dem 4.Lebensmonat beginnt diese Einheit in verschiedene Objekte zu zerfallen. Aus diesen Objekten lernt das Kind, über Lust - und Schmerzempfinden, den Körper als eigenständiges Objekt wahrzunehmen und identifiziert sich mit ihm.
Die Identität lautet: Ich bin Körper oder Körper ist gleich Ich!

Ab etwa dem 9.Lebensmonat beginnt das Kind sich ein Bild von der Welt zu machen und dieses Bild zu benennen. Hier entsteht auch ein Bild der Eltern und Kind-Rolle. Auch werden von der Umwelt übernommene Konzepte internalisiert. Am Ende dieser dritten Stufe, verschmelzen diese Konzepte miteinander und die Ich-Fixierung montiert sich an ihnen.
Die Identität die gewonnen wird ist: Ich = mein Name, mein Selbstbild und mein Weltbild!

Mit diesem, zum Großteil aus Konzepten aufgebauten Ich-Verständnis begibt sich der junge Mensch ab ca. 12 Jahren in die Ebene der Beziehungen. Hier wird alles, was erlebt wird, zum Ich in Beziehung gesetzt. Durch die Identifizierung mit Idealen, Konzepten und Rollenverhalten wird jedes „in Frage stellen“ der eigenen Überzeugungen als persönlicher Angriff gewertet. Das Verhalten des Menschen wird fast ausschließlich von den verinnerlichten Konzepten bestimmt. Körper, Gefühle und Gedanken liegen oft in Widerstreit miteinander. Die zeitliche Orientierung erfolgt meist aus der Vergangenheit oder der Zukunft. Sein Streben gilt der Erfüllung der Konzepte. Auf dieser Beziehungsebene befindet sich derzeit der Großteil der Menschheit. Lernziel dieser 4.Stufe der Bewusstheit ist die Loslösung der Identifizierung aus den Konzepten und dem zwanghaften „Alles - in - Beziehung - Setzen zu sich selbst“. Der Zielzustand wird das Zentaurische Bewusstsein genannt. Der Zentaur dient hier als bildhafter Vergleich für den Menschen, der aus dem Tier (unbewusst, fremdbestimmte Ebene) herauswächst. Kennzeichen des Zentauren sind u.a. die Einheit von Körper und Psyche. Seine Aufmerksamkeit begründet sich im Hier und Jetzt. Sein Streben gilt der Selbstverwirklichung als authentischem Lebenssinn.

Um von einer Ebene zur nächsten zu gelangen, braucht der Mensch Impulse die ihn leiten. Die Kennzeichen der nächsten Ebene dienen als solche Impulse und können, um einen Entwicklungsprozess einzuleiten, als Therapie eingesetzt werden (Wilber, Ken: DAS ATMAN PROJEKT)
Im Tanz, besonders bei den Koordinationsbewegungen, ist es erforderlich, dass Körper und Psyche als Einheit agieren. Ist das nicht der Fall wird der Tanz eckig, und die schnellen Koordinationsbewegungen sind nicht möglich. Ein zweiter Impulsgeber zur Entwicklung des Zentauren ist die zeitliche Orientierung. Um den Tanz, das Tempo, den Rhythmus, die Bewegungen mit der, zum Teil sehr schnell wechselnden Musik in Einklang zu bringen, ist es erforderlich, mit dem Bewusstsein im Augenblick zu verweilen. Jedes Nachhängen an Gedanken, sei es Selbstreflexion (wie gut ist mir diese Bewegung jetzt gelungen - Vergangenheit), oder ein Vorauseilen der Gedanken in der Choreographie, beeinträchtigt den lebendigen, spontanen Ausdruck des Tanzes.
Durch das Erlernen dieses Tanzes in seinen Feinheiten, wird die Einheit von Körper und Psyche und das Begründen der Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt gefördert. Diese Kennzeichen des Zentaurischen Ichs dienen als Impulsgeber zum Lösen der Identitätsfixierung von der Ebene der Konzepte und Beziehungen und dem Entwickeln einer neuen, höheren Bewusstheit des Menschen.
Das trifft natürlch auf jede Tätigkeit zu die mit voller Achtsamkeit gemacht wird. Der Bauchtanz ist wegen seiner, sehr differenzierten Struktur nur ein gutes Beispel für die Anwendung dieses Therapieansatzes der existenziell-humanistisch Therapie.

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