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Schamanismus
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Heilende Bewegungen

Ein kultureller Vergleich zum Einsatz von Tanz, Bewegung und Körperarbeit zur Heilung
und die Parallelen zum Bauchtanz.

Der therapeutische Ansatz, dem Menschen über bestimmte Bewegungen Linderung oder Heilung von körperlichen / seelischen Problemen zu verschaffen, findet sich in allen Kulturen und Zeiten wieder. Die Methoden und Bewegungen sind dabei dem jeweiligen Weltbild des Heilers und seines Patienten angepasst. Im nachfolgenden Kapitel möchte ich einige Beispiele für verschiedene Therapieansätze mit Integration des Körpers in den Heilungsprozess aufzeigen. Viele der nachfolgend beschriebenen Heilweisen arbeiten im Bereich von veränderten Bewusstseinszuständen.
Die Veränderung der gewohnten Art, wie wir die Welt unseres Alltags wahrnehmen, wird als Trance, als veränderter Bewusstseinszustand bezeichnet. Wobei allerdings den meisten von uns nicht bewusst ist, dass auch die starre Ausrichtung auf unsere Art die Realität zu beschreiben, eine Form von Trance darstellt. Es gibt unterschiedliche Arten der Tranceinduktion
Die Kombination von Musik, Konzentration und Hypermotorik machen den Bauchtanz zu einer geeigneten Methode, um rasch Trancezustände zu erreichen. Grundsätzlich treffen diese Mekmal auch anwendbar auf

Die Tanzkultur der Jugend Ende des 20 Jhds.
aber....
Tanz, besonders in Verbindung mit rhythmischem Klang, verändert die Ausrichtung des Bewusstseins. Das wird jeder bestätigen können, der einmal eine Diskothek oder eine Techno Party besucht hat. Die Jugendlichen geraten (auch ohne Drogen) in einen ver -rückten Zustand der Ekstase. Die solcherart induzierten Trancezustände sind allerdings nicht zur Heilung geeignet, da das Umfeld meist ungeeignet ist und die erforderliche Bewusstheit und die Absicht zur Heilung bei den Beteiligten nicht gegeben sind. Zudem lenkt die Musik die Emotionen kaum in eine geeignete Richtung.

Sufismus

Eine Bewegung, die auch im Bauchtanz zu finden ist, wird in vielen mystischen Orden des Islam praktiziert. Es handelt sich hierbei um einen Drehtanz, bei dem mit dem rechten Fuß über den linken vorne übergestiegen wird, der linke Fuß bleibt am Boden. Die Arme sind zur Seite hin ausgestreckt, wobei die rechte Handfläche zum Himmel weist, die linke zur Erde. Der Kopf ist nach rechts geneigt mit Blickrichtung nach links.
Der Drehtanz wurde schon seit Jahrtausenden überliefert, und ist bereits in den apokryphen Schriften des Johannes als Tanz des Jesu` von Nazareth beschrieben worden. (Kosmus, Enrico: Zikr und Sema ) In der Tradition des Sufismus fand er seine bekannteste Ausprägung als Drehtanz der Derwische, auch Sema` genannt. Sema` bedeutet hören. Gemeint damit ist das Hören des Klangs der Offenbarung. Im 13 Jh. gründete Mavlana Muhammad Dschelaleddin Rumi in Konya den Orden der Mevlevi Derwische. In diesem Rahmen entwickelte sich der Tanz zu einem hochdifferenzierten Ritual mit reichhaltiger Symbolik der Bewegungen, des Ablaufs und der Utensilien.
Das Drehen um die eigene Achse symbolisiert hier die Rotation der Planeten, gleichzeitig wird hier auch noch um die Mitte des Platzes gedreht in der sich gegen Ende des Rituals meist der Scheich als Repräsentant der Sonne befindet. Durch das Drehen wird der Derwisch in den kosmischen Reigen der Schöpfung eingebunden. Dieses Einstimmen auf eine höhere Ordnung soll helfen die Erd - und Egoverhaftung zu lösen. Dabei können Zustände der religiösen Ekstase auftreten, in denen mystische Erfahrungen der Einheit mit Gott möglich sind.
Folgende Beschreibung findet sich in dem Buch "Derwische" von J. Frembgen auf Seite 188:

Der Tanz der Mevlevi mit seinen liturgisch festgelegten Drehungen und Körperhaltungen vermittelt Gelöstheit und Hingabe. Ihr „Reigenartiger, Sternläufe symbolisierender Dreh-Zikr“ ihre fließenden, gleitenden Bewegungen erscheinen als Ausdruck geistiger Schwingungen und der Übereinstimmung und Harmonie der Seele mit Gott. In der sich zum Wirbeln steigernden Spiralbewegung steigt gleichsam die Seele des Derwisch zu Gott auf, und Gott kommt herab zum Menschen. Solche Tanzspiralen bewirken eine bewegungsinduzierte Hypnose und Bewusstseinsveränderung, die in dieser Form auch aus der Trance des Schamanen bekannt sind.

Die Ekstase des Mystikers der Tradition gründet darauf, in seinem Inneren Gott zu finden. Im Bauchtanz ist die schnelle Drehbewegung aus dem Tanz heraus, nur dann möglich wenn die Tänzerin ganz in sich, in ihrer Mitte zentriert ist. (Es ist fast nicht möglich aus der „Action“ heraus in die Drehung zu kommen, wenn die Bewegungen des schnellen Tanzes nicht aus einer Position der inneren Ruhe heraus durchgeführt werden.) Die Bewegung induziert / erfordert hier in beiden Fällen eine Veränderung des Bewusstseins, die mitunter als mystische Trance erfahren werden kann. Die Trance des Mystikers unterscheidet sich von Tagträumen oder der eher bildhaften Erfahrung der schamanischen Trance. In tiefen Trancezuständen erlebt der Mystiker Zustände der Einheit mit der Schöpfung / mit Gott. Rumi verwendete dafür den Vergleich vom Falter und der Kerze. Das Kreisen des Falters, der das persönliche Ego darstellt, das angezogen vom Licht die Flamme der Kerze umschwirrt, findet seine Ruhe und Erfüllung erst in der Vereinigung mit der Flamme, die Symbol für die absolute Wahrheit ist. Indem der Falter in der Flamme / Gott verbrennt, wird er eins mit der letzten Wirklichkeit. Diese Symbolik spiegelt sich auch im Drehtanz wieder.

Schamanismus:

Der Tanz im schamanischen Sinn ist nicht unbedingt als erkennbare Choreographie zu verstehen. Er ist vielmehr ein zum Ausdruck - bringen von emotionalen Qualitäten, die der Schamane verstärken oder mit denen er sich verbinden möchte. Er ahmt in seinem Tanz zum Beispiel Tiere nach, um ihr Wesen zu rufen, sich mit ihren Kräften zu verbünden, und sie zu nutzen. Der Tanz des Schamanen kann auch Ausdruck einer Lernerfahrung in einem veränderten Bewusstseinszustand sein, der in dieser Welt materielle Realität gegeben werden soll, wobei der physische Körper als Vermittler dient. Primär dient die schamanische Trance dazu, das eigene Wesen, die Seele wieder gesunden zu lassen und dadurch den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies wird erreicht z.B. durch Entfernen von Störpotential, oder auch durch Auffinden „verlorener“ -, abgespaltener Seelenaspekte.
Dr. Oruc Güvenc beschreibt in seiner Dissertation ( Geschichtlicher Abriss der Musiktherapie ) eine Heilzeremonie der Baksi (das ist die Bezeichnung der Schamanen der Kirgiz-Türken). Dort gibt es einen traditionellen Tanz, den Baksi-Tanz. Dieser Tanz dauert oft stundenlang, bis der Schamane, der um Heilung für den Kranken gebeten hat die dafür erforderliche Medizin bekommen hat. Diese Heilungszeremonien bestehen aus einer kunstvollen Mischung aus Musik und Tanz. Man weiß, dass, sobald der Schamane vollkommen in Trance versunken ist, sein Tanz eine besondere Heilkraft hat.
Tänze können aber auch dem Zweck dienen, Regen herbeizurufen, oder mit dem individuellen Höheren Selbst in Kontakt zu treten. Die Wirkrichtung des Tanzes wird primär von der Absicht des Schamanen bestimmt.


Trancepositionen

Schamane mit dem Bärengeist
Schamane mit dem Bärengeist
Holzschnitzerei Kwakiutl 19 Jhd.

Anfang der 70`er Jahre begann die amerikanische Anthropologin Felicitas Goodman die Bedeutung der Darstellungen von Menschen in verschiedenen Körperhaltungen zu erforschen. Die Darstellungen (zumeist kleine Figuren aus Holz, Ton, Knochen oder Stein, oder auch Malereien), weisen weltweit große Ähnlichkeit auf. Intuitiv erfasste Goodman den Sinn dieser Figuren als Anleitung zum Einnehmen bestimmter Haltungen. Sie begann mit Studentengruppen zu experimentieren, indem sie die Teilnehmer diese Haltungen einnehmen ließ und sie ca. 15 Minuten dazu mit der Rassel als Tranceinduktion begleitete. Unabhängig voneinander berichteten die Teilnehmer von einander sehr ähnlichen Erlebnissen bei gleichen Körperpositionen. Das zeigt, dass es möglich ist, das Bewusstsein und damit die Wahrnehmung über die Haltung des Körpers zu steuern.
Die weltweit bekannteste dieser Haltungen wird Bärenhaltung genannt, weil in der Trance häufig ein Bär erscheint. Sie verbindet mit der Kraft zur Heilung. Felicitas Goodman beschreibt in ihrem Buch „Wo die Geister auf den Winden Reiten“ eine eigene Begegnung mit dieser Kraft. Sie hatte vom langen Tragen einer schweren Tasche Muskelverspannungen und große Schmerzen in der linken Schulter.
Bei der nächsten Sitzung lehrte ich die Teilnehmer die Haltung des Schamanen mit dem Bärengeist. Beim Rasseln nahm ich dann selbst auch die Haltung ein, linksseitig, soweit das ging, und flehte dabei Großvater Bär an, er möge mir doch helfen. Sachte, so als entferne er sich auf Zehenspitzen, nahm der Schmerz ab, und dann war er weg. Er ist dann auch während des ganzen Workshops nicht wieder aufgetaucht. Am folgenden Dienstag ging ich wieder zur Massage. Die Masseuse gab sich die größte Mühe, die sechs oder sieben harten Muskelknoten wiederzufinden, die sie hatte behandeln wollen. ....
Das Einnehmen der Haltung über einen bestimmten Zeitraum schafft statische Ruhe im Außen, und zum Ausgleich dafür Bewegung im Geist. Durch die Haltung wird dieser Bewegung eine Richtung gegeben, die in diesem Fall auf Heilung ausgerichtet war.


Mudras

Als Mudras werden rituelle Hand und Fingerhaltungen in der Tradition des Yoga bezeichnet. Hier wird davon ausgegangen das die Hände ein Abbild des Menschen im Sinne eines Hologramms darstellen, und entsprechend auf den ganzen Menschen wirken. In ihrem Buch über Mudras zeigt Gertrud Hirschi die Zuordnungen der Finger und Handflächenzonen zu den Chakren, den Planeten, den Elementen, den Meridianen, und den Reflexzonen. Die Wirkung der Mudras ist gut erforscht, und sie können sehr gezielt bei körperlichen oder seelischen Ungleichgewichten oder zur Förderung der spirituellen Entwicklung eingesetzt werden. Im oben genannten Buch bringt die Autorin auch einige eindrucksvolle Beispiele für Heilungen mit Mudras.
Im Gegensatz zur Technik des schamanischen Reisens die von F. Goodman für die Arbeit mit den Trancepositionen eingesetzt wird, ist es hier nicht unbedingt angestrebt Bilder zu sehen und Botschaften zu erhalten, sondern die erwünschten Qualitäten des ausgewählten Mudras aufzurufen und wirken zu lassen.

 

Vajra - Mudra
Vajra - Mudra
Geste des feurigen Donnerkeils
Bringt den Kreislauf in Schwung



Im Bauchtanz wird es auch eingesetzt um den Punkt an der Nasenwurzel zu stimulieren an dem sich die aktiven und passiven Energieströme kreuzen.


Die Wirkung der Mudras im Tanz:
Einen hohen Stellenwert nehmen die Hände auch im indischen Tanz ein, der durch die Verwendung von Mudras eine reiche Symbolik in der Gestensprache gewinnt. Hier schließt sich der Kreis wieder zum orientalischen Tanz, der viele Parallelen zum Indischen Tanz aufweist. Die Wirkung der im Bauchtanz vorkommenden Mudras ist in der Beschreibung der Armbewegungen im Anhang detaillierter ausgeführt.
Bei den schamanischen Trancepositionen, den Yogahaltungen und den Mudras war eine ruhige Körperposition vorgegeben, die eine Bewegung des Bewusstseins in eine bestimmte Richtung veranlasste.
Beim Tanz werden ähnliche, zum Teil sogar die gleichen Haltungen eingenommen aber oft nur für kurze Augenblicke. Die schnelle Bewegung im Außen durch den Tanz, findet ihren Ausgleich in einer großen inneren Ruhe wieder. Bei den statischen Positionen wurde der Weg eingeschlagen über die Haltung in den Augenblick zu kommen. Heilung kann sich nur dann ereignen, wenn Körper, Geist und Seele an einem Punkt beisammen sind (und dieser Punkt kann nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft liegen!) Der Tanz beschreitet den umgekehrten Weg, und führt über die Dynamik im Außen zu innerer Ruhe und Sammlung, die im Augenblick zentriert ist. Im Hier und Jetzt ist es für den Impuls zur Heilung unwesentlich, wie lange ein Einfluss andauert, da er sofort wirkt.

Da es in der Natur des menschlichen Intellekts liegt, alles was er nicht versteht zu untersuchen und in seine Einzelteile zu zerpflücken, ist allerdings die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die von Goodman untersuchten Körperhaltungen und auch die Asanas und Mudras, die Körper und Handhaltungen des Yogasystems ursprünglich keine starren Haltungen waren, sondern aus dem Tanz hervorgegangen sind.


Qi Gong:

Baduanjin - Die Acht edlen Übungen
Hebe eine Hand und reguliere Milz und Magen
Schlangenarmbewegung
- im Bauchtanz
Im Gegensatz zur westlichen Medizin mit ihrer eher mechanistischen Sichtweise des Körpers, baut die TCM auf ein umfassendes Verständnis der Zusammenhänge der physischen, energetischen, emotionalen, und mentalen Zustände, die sich im Zustand der Inbalance - Krankheit zeigen.
Auf der Basis dieses holistischen Weltbildes entwickelte sich Qi Gong als System von Körperübungen mit meditativem Charakter, das zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit im umfassenden Sinn dient. Das System eignet sich zur Diagnose und Therapie von Blockaden im Fluss der Lebensenergie - Qi, zur Stärkung des Körpers durch Kraft und Dehnungsübungen, zum Beruhigen des Geistes und zum Zentrieren im Augenblick. Es bietet ein sehr breites Spektrum an Bewegungen, die alle Meridiane und Körperbereiche abdecken.

Einige der Bewegungen, die im Bauchtanz vorkommen, finden sich auch im Qi Gong wieder, wie die beiden Abbildungen oben zeigen. Die gut erforschte Wirkweise der Übungen in der chinesischen Medizin war mir bei der Arbeit oft sehr hilfreich. Sie bot viele Ansatzpunkte für das Herausfinden der Wirkung der Übungen im Tanz.
Dem System der Pflege und Harmonisierung der Lebensenergie, wie sie im Qi Gong praktiziert wird, habe ich viele Anregungen für den Einsatz des Bauchtanzes zur Heilung entliehen. Das Ergebnis war eine fruchtbare Symbiose.

Fazit:

Veränderte Bewusstseinszustände haben Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele und können bei bewusstem Einsatz zur Heilung beitragen. Bisher im Bauchtanz nicht bewusst eingesetzt, lassen sich diese Aspekte wieder integrieren. Wichtig dabei ist die Formulierung der Absicht im schamanischen Sinn. Um die Absicht formulieren zu können, ist es erforderlich, einen inneren Klärungsprozess über die Zielsetzung des angestrebten Tuns durchzugehen, und ggf. neue Perspektiven zu entwickeln.
Beispiel: der Wunsch, nicht mehr krank zu sein, wird nichts am aktuellen Zustand verändern. Hier ist es erforderlich eine neue Perspektive von Gesundheit zu entwickeln, und die Absicht zur Heilung zu formulieren. Die Ausrichtung des Bewusstseins auf Heilung, im aufnahmebereiten Zustand der Trance dem Körper übermittelt, wird im Rahmen der Möglichkeiten ihre Wirkung auf den Körper entfalten.

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