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Der Baum des Lebens


Ein Seelchen sitzt auf einem Ast,
auf dem Baum des Lebens.
Es zirpt und zwitschert voller Lust
und wiegt sich in der Maienluft
und freut sich seines Lebens.



Da braust ein Windstoß,
hart und kalt,
dem Baum durch seine Zweige.
Er nimmt dem Seelchen seinen Halt
und schickt es auf die Reise.


Das Seelchen stürzt nach unten hin,
kann`s einfach nicht verhindern,
fällt, in ein schwarzes Loch hinein,
ade, du schöner Sonnenschein,
und kämpft, den Sturz zu mindern.


Es rutscht durch einen dunklen Gang
wie eine steife Puppe
und plötzlich plumpst es in den Topf,
mit heißer, roter Suppe.


Da steht ein Wesen
– schrecklich groß,
und rührt mit seinem Löffel,
mich rein in diese rote Sauce,
damit ich darin köchel.


Ich geh drin unter, sauf mich voll,
mit dieser guten Suppe,
ich dehn mich aus
und lös mich auf,
ich war schon immer Suppe!


Der nette Typ kommt her zu mir
und füllt sich seinen Teller.
Er löffelt mich dann schmatzend aus,
ich rinne runter in den Bauch
und fühl mich wie im Keller.


Im Magen ist es öd` und leer,
bis auf die Säurepfütze.
Sie löst mich einfach völlig auf
und transformiert mich um,
das ich dem Körper nütze.


Ich gebe alles – hier und jetzt,
schwör freudig ihm die Treue.
Bis alles ich gegeben hab,
was ich zu geben nur vermag,
dann geh ich – ohne Reue.


Nun lieg ich hier – ein Haufen Dreck
und stinke bis zum Himmel.
Bin ausgebrannt, kaputt und leer,
Täuschungen - gibt’s jetzt keine mehr,
auch keinen eitlen Fimmel.


Jetzt ist es still und leer in mir,
ich fühle neue Kräfte.
Sie wachsen und sie steigen auf,
entfalten sich aus mir heraus,
die neuen, starken Mächte.


Ich wachse mit der Kraft in mir,
hoch – bis in die Wolken.
Ich steh im Licht
und fühl das Glück,
das alle fühlen sollten.


Nun ist mir klar:
Ich bin
der Baum
des Lebens
- war es immer,
und in den Zweigen
meines Seins,
d
a tummeln sich die Seelchen.
Sind Teil von mir
und doch so frei,
zu wählen,

was ich wählte.


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