Bis Samstagabend 1.3.
habe ich die Zeit nur verplempert (heute weiß ich, wie wichtig dies
für mich damals war). Dann habe ich mich aufgerafft und den Vogel skizziert.
Am Sonntag in der Früh war es an der Zeit für das neue Bild und
ich habe begonnen zu malen. Anfangs sehr zäh, unglücklich, nicht
zufrieden mit dem ausgewählten Papier. Ich wollte schon aufgeben –
doch etwas in mir hat sich gespreizt - wollte nicht aufhören und dann
wurde es auf einmal besser – hat Spaß gemacht. Am Höhepunkt
des Schlechtfühlens konnte ich plötzlich wieder zu malen beginnen.
Eigentlich dachte ich, dass ich den Vogel, der sich neu erschafft in einer
positiven Phase meines Lebens malen werde.
Während des
Malens habe ich mir immer wieder meine Gedanken notiert.
Diese Bild zu malen bedeutet mir sehr viel. Es steht bis ich weiter malen
kann in meinem Schlafzimmer – sodass mein letzter Blick vor dem Einschlafen
und der erste beim Aufwachen dem Feuervogel gilt. Ich rede auch täglich
mit ihm. Seit ich begonnen habe diese Bild zu malen träume ich sehr
intensiv. Leider kann ich mich in der Früh nicht an Einzelheiten erinnern.
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| Bild
4: „Der Phoenix will leben“ 2.3.2008 – 29.3.2008 insgesamt ca. 70 Stunden Pastell-Ölkreide 50 X 70 |
4.3. Reise zu den Verletzungen und zum Missbrauch. Diese
haben sich als mehrköpfiger Drache dargestellt. Jeder Kopf stand für
eine andere Verletzung die ich von meiner Großmutter erfahren habe.
10.3.2008
Reise in mein Haus (Keller) Anliegen: Keller finden
Ich sehe mich blutüberströmt im Keller liegen, verletzt von mir
selber, weil ich den Ansprüchen anderer nicht genügen kann. Ich
beschließe dringend meine anerzogenen Verhaltensmuster überdenken.
Mein Feuervogel schützt mich in dieser Reise vor weiteren Selbstverletzungen.
Danach geht es
mir sehr schlecht. Ich bin sehr empfindlich und angerührt, depressiv.
Körperlich haben
sich nach dieser Reise zwei Wochen lang täglich andere Symptome gezeigt:
Migräne /
Magenschmerzen / Nasennebenhöhlen-Probleme / Übelkeit / Ohrenschmerzen
/ Müdigkeit / Husten / Rückenprobleme / Fersensporn (kann kaum
noch gehen) und Blasenprobleme. Ich
fühle mich extrem kraftlos und ausgelaugt.
Jeden Tag habe ich mit mir gekämpft – soll ich aufstehen, oder nicht? Mich von einem Tag zum anderen geschleppt, das Wochenende mit großer Sehnsucht herbei gewünscht (wollte malen). Als es endlich Freitagmittag war konnte ich nichts damit anfangen. Ich war ruhe-, rast- und planlos. Bin nur herum gesessen. Zuwenig Kraft und Energie um etwas Sinnvolles zu tun allein die Aussicht auf den nächsten Kursabend hat mich durchhalten lassen.
25.3.2008
Reise zu dem Drachen
Ich erlebe eine Situation meiner Jugend wieder:
Als ich ca. 17 Jahre alt war, kommt es zu einem sexuellen Übergriff
von einem Bekannten meiner Großmutter. Als ich ihr davon erzählt
habe, hat sie gemeint ich soll nicht so hysterisch sein, und wegen der Kleinigkeit!!!
nicht so ein Theater machen, was sei schon passiert! Ein alter bettlägriger
Mann braucht auch mal noch ab und zu seine kleinen Freuden.
In der Reise erfahre ich, dass es eine Abmachung zwischen meiner Großmutter
und dem Bekannten war - für die Gelegenheit mich anzugrapschen gab
es für meine Großmutter diverse Schmuckstücke und Geld.
Sie hat mich verkauft! Obwohl
ich es geahnt habe, bin ich doch sehr erschüttert. Zusätzlich
habe ich den letzten Rest Achtung vor meiner ach so moralischen Großmutter
verloren - die bei anderne
Personen jedoch immer die Unmoral kritisiert hat.
Zum Glück habe ich mich damals ganz entgegen meiner Erziehung zum Respekt
vor dem Alter heftig gegen den Mann wehren können (es war einfach ein
zu arger Übergriff) und ihn so lange attackiert, bis er von mir gelassen
hat. Schlimmer als der Übergriff bewegte mich jedoch die Erkenntniss
mir einzugestehen das ich sie nicht lieben konnte obwohl ich sie doch lieben
müsste.
In der Nacht danach geht es mir sehr schlecht. Ich breche und habe schlimmen
Durchfall. Es ist, als müsste ich die ganze Trauer, den gesamte Zorn,
die Erniedrigung und die Enttäuschung auskotzen. In der Früh bin
ich seelisch und körperlich total fertig, und jetzt kommt`s - es klingt
verrückt. Trotz der vielen Unannehmlichkeiten fühle ich mich plötzlich
sehr befreit.
Nach ein paar Tagen stelle ich fest, dass ich mich nicht nur befreit fühle,
sondern es tatsächlich bin!
Die letzten Wochen
war das Leben oft so anstrengend – jeder Handgriff kostet mich Überwindung
- mich waschen, arbeiten gehen, ja sogar Freizeit. Jetzt spüre ich
neue Energie.
28.3.2008 - ein Gedicht
entsteht:
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Als
Freund bist du zu mir gekommen, Hab`
dich in deiner Pracht gesehen, Lebend
in Flammen aufgegangen, Unter
Schmerz und Schreien langsam verglommen, Gestorben
im Feuer - brennend heiß, Auferstanden
– aus dem Feuer geboren, Erst
brennend – dann strahlend vor Frieden und Glück, |
29.3.2008
Ich male weiter und während des Fertigstellens des Bildes wandern meine
Gedanken immer wieder die verschiedenen Stationen der zuvor bearbeiteten
Verletzungen durch und es erwischt mich noch einmal.
2.4.2008
Ich werde wieder krank. Erbrechen, Durchfall – Hausmittel,
Medikamente, fasten – nichts verschafft mir Linderung.
9.4.2008
Einlieferung ins Krankenhaus. Dort passiert 2 Tage außer Blutabnahmen,
Stuhlproben gar nichts. Ich esse gar nichts mehr. Trinke nur noch Wasser.
In der Nacht von 10. auf 11.4. habe ich einen wunderschönen Traum.
Es ging um meine Heilung, ich bekam zwei Amethystkristalle geschenkt und
einen Lavendelstock. Eine Botschaft in Form eines Reimes wurde mir auch
gesagt, und dass dieser Reim wichtig ist. In der Früh bringe ich diesen
Reim jedoch nicht mehr zusammen und bis heute kann ich nicht sagen, welche
Botschaft dieser Reim enthalten hat. Als mich die Krankenschwester am Morgen
fragt, ob mir das Lavendelöl geholfen hat, bin ich verdutzt. Sie sagte
mir, dass ich geläutet habe und nach Lavendelöl gefragt habe.
Daran und was ich damit gemacht habe kann ich mich nicht erinnern. Auf meinem
Nachtkasterl steht jedoch ein Fläschchen Lavendelöl. Ich fühle
mich erstmals wieder halbwegs gut. Habe ich Hilfe aus einer anderen Welt
bekommen? Von da an geht es wieder bergauf mit mir, obwohl meine Befunde
von Magen und Darmspiegelung nicht in Ordnung sind und die Magenspiegelung
ein traumatisches Erlebnis war.
22.4.2008
Reise zum Loslassen
Endlich gelingt es mir, den Groll, die Wut und den Hass hinter mir zu lassen.
Ich kann verzeihen und mich mit meiner Großmutter in dieser Reise
aussöhnen (sie ist 1986 plötzlich verstorben). Jetzt
geht es mir gut.
Zwischen den Bildern
gab es immer wieder mal lange Phasen des Nachdenkens und Niederschreibens.
Seitdem sind viele Skizzen entstanden, die Zeit scheint jedoch noch nicht
reif zu sein, sie zu malen. Seither mache ich regelmäßig
Reisen – leider aus Zeitmangel (für mich ist die Dokumentation
und vor allem das Zeichnen sehr wichtig und oft entstehen zu einer Reise
mehrere Bilder) nicht so oft, wie ich es eigentlich möchte.
Mit diesem Kurs ging es so richtig ans Eingemachte. Die Herausforderungen wurden noch größer, was ich bis jetzt für schmerzlich und beängstigend gehalten habe, war ein müder Abklatsch dessen, was noch auf mich zugekommen ist, doch trotz aller schmerzlichen Erinnerungen, Ängste, Zweifel und meinem desolaten Gesundheitszustand war ich immer zuversichtlich. Wieder hatte ich die volle Unterstützung von Kaletao, den anderen Kursteilnehmern und meinen Krafttieren.
Meine im TR-Kurs angeeigneten Fähigkeiten konnte ich festigen und weiter ausbauen. Ich:
- baue Rituale in mein Leben ein
- bin mir selbst so nahe wie vermutlich noch nie
- bin achtsamer
- bin mental stärker geworden
- bin durch den erlernten Umgang mit Problemen gelassener
- bin zufriedener
- entwickle neue Fähigkeiten und Interessen - schnitzen
- habe meine Glaubenssätze und Regeln definiert
- habe meine Sinne mehr entwickelt und tue es noch
Es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, alles gelingt 100%ig. Doch
ich bleibe jetzt dran und es glückt immer öfter und besser. Nach
diesen beiden Kursen habe ich das schamanisches Reisen total in mein Leben
integriert, nutze es gerne und oft und möchte es auch nicht mehr missen.