Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin
Meine Absicht für das Ritual war, mich von meinem im Heilreisekurs
bewusst gewordenen, zwanghaften verinnerlichten "Frau-Bild der Zukunft " zu verabschieden!
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Bisher hatte ich im weitesten Sinn nach dem von mir verinnerlichtem Bild gelebt. Es hat auch
ganz gut gepasst und für deren Qualitäten war und bin ich auch dankbar .
Für die Zukunft sah ich mich letztendlich als alte Frau müde und erschöpft mit gefalteten Händen
im Schoß sitzend . Sollte das meine Zukunft sein?----- NEIN!!!!!!!!!
Wie würde mein Leben ohne dieses Wesen aussehen ?
Ein Freiraum würde entstehen, den ich neu gestalten könnte. Ich war dankbar für die Qualitäten,
die mir das Bild vermittelt hatte, wollte mich aber frei entscheiden können, anders zu leben, wenn das
Alte, Einseitige meine Entwicklung behindert. Ich will offen sein für meine inneren Bedürfnisse,
weiterhin Familie und Freunde unterstützen, aber dabei auch meinen Interessen ohne schlechtes Gewissen
nachgehen, ich will noch viel mehr leben, und frei sein vom Zwang des Bildes in mir - es hindert mich, meine
Lebendigkeit zu leben.
Dafür war ich bereit, die Rolle der jederzeit verfügbaren Frau aufzugeben und meine dringlichen
Bedürfnisse zu verteidigen und meine Kinder liebevoll aber klar zu Selbstständigkeit und Selbstverantwortung
zu führen!
Ritual:
Mein Gegenüber spiegelte mir fast unheimlich mein Frau-Bild wider. Nicht hart, wie erwartet, sondern
ernst, vorwurfsvoll und betroffen begegnete mir das Wesen. Es sagt, es hätte mich so lange Zeit begleitet
und beschützt und nun wolle ich es loswerden .
Die Verhandlungen waren für mich schwierig, weil mein Gegenüber zunehmend Züge meiner Großmutter
annahm und ich mir teilweise wie eine Verräterin vorkam. "Willst du nicht alt werden? Willst du
dich vor der Verantwortung für deine Kinder und deine Familie drücken, die du dir selbst ausgesucht
hast?", fragte sie .
Ich musste sie überzeugen, dass ich mir meiner Verantwortung bewusst sei und unsere Kinder gerne ins
Leben begleite, ich mich aber aus der zwanghaften Rolle befreien wolle, und neben Familie versorgen auch meinen
eigenen Interessen nachgehen will, das zwanghafte Bild mich aber behindere. Wenn ich diesem folge, werden
sich bei mir immer wieder Menschen einfinden, die nehmen, brauchen, die ich versorgen muss, anstatt mich um
mich selbst zu kümmern.
Mahnend und ärgerlich meinte sie: "Es ist das Leben einer Frau, das war immer so und bleibt auch
so!"
Innerlich stieg Wut in mir hoch.
Sie wollte genau wissen, was ich denn für mich tun wolle, worauf sie erneut mit Vorwürfen loslegte,
und wieder musste ich sie überzeugen .
Als dieses Thema geklärt schien, hakte sie ein, es gefiele ihr trotzdem nicht, sie als Alte loswerden
zu wollen. Auf meine Frage, wieso sie mit dem Gesicht meiner Großmutter auftauche, behauptete sie, diese
zu sein. Meine Tränen flossen, schlechtes Gewissen plagte mich, ich fühlte mich ungerecht und undankbar.
Ich war nahe daran aufzugeben und zweifelte an der Richtigkeit meiner Absicht.
Von Kaletao kam die Frage, ob ich schon einmal das Wort BITTE verwendet habe
.
Ich sammelte mich, machte mir bewusst, dass dieses Wesen ein von mir selbst verinnerlichtes zwanghaftes Frau-Bild
war, das ich verabschieden wollte. Ich nahm es mit der übergestülpten Gestalt meiner Großmutter
an und bedankte mich für alles, was es mir Gutes in meinem Leben gebracht hatte.
Ich wollte aber nicht durch das Bild in meiner Entwicklung behindert sein, sondern selbst und frei für
mich entscheiden.
Ich bat es zu gehen. Das Wesen sagte:"Lebe dein Leben, ich werde dich nicht behindern dabei."
Wir waren uns einig.
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Anschließend knetete ich die Wesenheit in Ton. Alle Gedanken, Gefühle und Informationen
flossen in den Ton und nahmen Gestalt an .
Erst als ich die Figur der Natur übergab, fühlte ich Erleichterung und das Recht, mich von dem von
mir selbst erschaffenen Wesen zu befreien.
Ich stellte die Tonfigur im Garten unter eine junge Eiche, übergab sie der Verwitterung, dem Vergehen
und nach etwa zehn Monaten löste sie sich auf.
Was veränderte sich in meinem Leben ?
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Meine Bereitschaft zur Dauerversorgung meiner Familie und dem regelmäßigen Bekochen von Freunden
und Verwandten sank.
Ich konnte mich von dem Ohnmachtsgefühl der Verpflichtung und Selbstverständlichkeit, das die
Freude über den Austausch und die Begegnug mit Freunden und Familie überschattete, lösen.
Durch Bewusstmachen und Bearbeiten dieses Themas veränderte sich schrittweise mein Leben. Ich lernte,
NEIN zu sagen – vor allem mich selbst als Grund zu nennen.
Zu meinem Erstaunen wurden wir jetzt öfters eingeladen. Verwandte staunten über Absagen von traditionellen
Treffen bei uns und ich schaffte es sogar, zu Ostern alleine ein mir wichtiges Seminar zu besuchen, was
für uns alle ein Lernprozess war. Ich und meine Entwicklung sind mir ebenso wichtig geworden wie die
der anderen. Ich erlebe auch mehr Wertschätzung von allen Seiten, seit ich nicht mehr selbstverständlich
funktioniere.
Dieser Lernprozess erstreckte sich über die Zeit, die auch meine Tonfigur zur Auflösung brauchte.