Ritual Totenbegleitung
 
Bauchtanz
Bauchtanz
Radionik
Radionik
Praxis
Praxis
Aktueller Artikel
Aktuell
Weblog
Weblog
Info
Info
Schamanismus
Schamanismus


Totenbegleitung

Erfahrungsberichte von TeilnehmerInnen schamanisch-muslimischer Totenrituale



Kalligrafie Ayat-al-Kursi
Der Wunsch etwas für die Seelen geliebter Verstorbener zu tun, erwächst überall dort, wo der Glaube und die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod auf einer anderen Ebene bestehen. Je nach Tradition und kulturellem Verständnis wird von einem Verweilen der Seele in der Nähe der Hinterbliebenen, oder von einem Weiterziehen an einen anderen Ort ausgegangen. Entsprechend werden Ahnenaltäre, Tempel, Orte mit Opfergaben errichtet, oder Geschenke und sonstige Begleitung für eine gute Weiterreise in die andere Welt zu Gott oder den Göttern bereitgestellt. Die Rolle des Vermittlers zwischen den Welten wird meist von Priestern oder Schamanen übernommen. Für diese Reise gibt es, besonders in schamanisch orientierten Kullturen, "Wegbeschreibungen", die der Orientierung der Seelen dienen sollen. Eine solche, höchst differenzierte Beschreibung der Welten die nach dem Tod durchwandert werden bis hin zur neuen Geburt gibt zum Beispiel das Tibetische Totenbuch.

Hier in Österreich gibt es in der christlichen Tradition den Brauch des gemeinsamen Gebets und des Lesen lassens von Totenmessen. In ländlichen Gebieten auch die Totenwache beim Leichnam, der dafür im Haus aufgebahrt wird.
Da viele unter meinen KlientInnen aber wenig Bezug zu dem konfessionellen Aspekt der christlichen Tradition haben, begann ich, auf Wunsch, auch gemeinsame Totenbegleitungen für deren Angehörige und Freunde zu organisieren.
Bei diesen Totenbegleitungen wird gemeinsam ein Mantra rezitiert. Das verwendete Mantra Astaghfirullah stammt aus der muslimischen Tradition und ist eine Bitte um Verzeihung (der Sünden) und dadurch die Hinwendung zum Schöpfer. In dem Sinn soll die Seele des Verstorbenen daran erinnert werden, dass sie von Ihm kommt, und auch wieder zu Ihm zurückkehrt. Die Rezitation wird in einer Gruppe von etwa 15 Personen über etwa zwei Stunden druchgehend ausgeführt. Dabei kann eine sehr tiefe Trance erreicht werden. Dieses Ritual wird innerhalb von 40 Tagen nach dem Ableben durchgeführt.


Für diesen Bericht bekam ich Rückmeldungen von 7 Frauen und 3 Männern im Alter von Mitte 30 bis Mitte 60 die zwischen 1x und 10x daran teilgenommen haben.

Kalligrafie Allah

Die Motivation dazu war meist der Wunsch den Verstorbenen zu helfen einen guten Übergang zu finden. Aber auch Neugier, "eine Plattform zu wissen, wo auch ich Unterstützung bei der Totenbegleitung habe", der Wunsch sich dabei zu sensibilisieren und auf den eigenen Tod vorzubereiten, sich die eigene Vergänglichkeit bewusst zu machen und "auf diesem Weg eine allumfassende Liebe zu praktizieren“, waren Motive für die Teilnahme.
Weiters die Suche nach spirituellen Alternativen:
"Ich wollte einmal eine andere Form des Totenbegleitens kennenlernen als die in unserer Kultur übliche, (und für mich eher oberflächliche), durch Rosenkranzgebete"
"Da mir bei der Verabschiedung eines verstorbenen Familienmitgliedes etwas Wesentliches fehlte, nahm ich die Möglichkeit der Meditation der Totenbegleitung dankbar an, und ich die Qualität der gemeinsamen Mantren-Rezitation des Dhikr bereits kennengelernt hatte."


Wirkung?
Auf die Frage, welche Wirkung die Begleitung auf die Verstorbenen ihrer Meinung nach gehabt hat, kamen folgende Antworten:

  • Es wäre vermessen zu behaupten eine Veränderung beim Verstorbenen bewirkt zu haben, aber mir bleibt zu hoffen und zu glauben, einen Beitrag zum Seelenfrieden bewirkt zu haben.
  • Ich habe keine Erlebnisse oder Eindrücke der Personen oder des Weges erhalten.
  • Ich denke das die Begleitung nicht nur für den Sterbenden ist, sondern größtenteils auch für die Hinterbliebenen, dadurch wird der Verstorbene nicht so festgehalten und kann leichter seinen Weg gehen.
  • Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Verstorbenen davon profitieren.
  • Ich glaube die Begleitung unterstützt die Verstorbene Person auf ihrem Weg zurück ins Licht. Manchmal hatte ich den Eindruck die Seele könne noch nicht loslassen, doch während der Begleitung entschied sie sich zu gehen.
  • Ich hatte nicht wirklich das Gefühl jemanden zu Begleiten.
  • Die Totenbegleitung ist scheinbar wesentliches Tun, weil es mir wieder Erwarten oft gelingt, dabeizusein.
  • Durch die Erfahrung die ich mit Sterbenden hatte könnte ich mir schon vorstellen, daß Totenbegleitung das Gehen erleichtert und somit klare Verhältnisse für den Verstorben, aber auch für die Dagebliebenen fördert und somit einen neuen Weg erleichtert.
  • Mein Eindruck war beim Ritual eine Aufarbeitung vom Leben des Verstorbenen, die Begleitung war so, wie dieser gelebt hat und gestorben ist.



Erfahrungsberichte



Margot

Es war meine erste Totenbegleitung und ich war sehr aufgeregt. Mitten drin hatte ich 1 bis 2 Aussetzer, wo ich zwar alles hörte, aber nicht mehr reagierte. 2 mal verspürte ich oben ein Ziehen an meinem Haaren. Die Bauchschmerzen nach dem Essen, die ich seit dem Tod des Freundes hatte den wir begleitet haben, waren dann für ca. 2 Wochen weg. Danach kamen zwar wieder, aber in leichterer Form.

 

Carla
Erlebniss beim 1. Mal: die Verabschiedung der Mutter einer Freundin, bei mir waren jedoch Bilder meiner Eltern im Vordergrund, diese waren in einer gelborangen, schwebenden, einförmigen Kugel und lächelten mir zu, bis sie fortflogen und sich eine „Himmelspforte“ schloss.
Beim 2. Mal: Begleitung eines jungen Mannes und eines Mannes im mittleren Alter. Bei dieser Begleitung hatte ich anschließend große Zweifel ob dieser junge Mensch diese Begleitung gewollt hat; ich hatte den Eindruck er ist sich seines (Unfall) Todes noch im Unklaren, und genau wie die Freunde noch im Staunen war. Wir wurden während der Begleitung auch ständig gestört.
Beim 3. Mal: konnte ich keinen Bezug zu den Verstorbenen aufbauen und mich deswegen nicht so ganz auf das Ritual einlassen. Ich merkte, dass es für mich wichtig ist einige persönliche Informationen zur Person zu haben.
Insgesamt denke ich das dieses Wohlwollen und diese Grenzüberschreitung der Kommunikation von drüben und herüben auch für den Verstorbenen spürbar wird und somit ein Loslassen auf beiden Seiten erleichtert. Diese Rituale haben eine ungemeine Kraft, wie ich sie in anderen Glaubensrichtungen noch nicht in dieser Intensität kennen lernte.

 

Andrea
Ich versuche einige Erfahrungen und Zustände zu beschreiben:

  • Das erste Mal erlebte ich trotz dampfender Hitze und der Dynamik von 17 Personen im Raum eine schauerliche, frostige Kälte, die sich durch Konzentration auf das Mantra allmählich verflüchtigte. Es ist schwierig diese Welt zu beschreiben, da es mehr ein Zustand zu sein scheint, der durch die Kraft der Mantrarezitation erreicht wird.
  • Körperlich am Beginn schon öfters Kälteschauer;
  • Eine abgrundtiefe Trauer eines Verstorbenen gespürt, den ich kannte und mit der ich zu Lebzeiten schon in Resonanz gegangen war.
  • Wellen von Abschiedstrauer – loslösen.
  • Bei meiner Mutter meinem Verlustschmerz begegnet;
  • Ruhe und das Gefühl zu schlafen obwohl ich rezitierte;
  • Unruhe, wie ein Boot auf hoher See, dass mit starken Wellengang und Gegenwind zu kämpfen hat - Anstrengung, konzentriertes Rudern, die Kraft der Gruppe dabei erlebt;
  • Es wehrt sich jemand von dieser Welt loszulassen. Das Mantra bestimmte und unterstützte die Begleitung in die andere Richtung - es gibt kein zurück!
  • Einmal hat sich das Gesicht des Verstorbenen ganz deutlich herausgebildet mit einem verschmitzten Lächeln und gegen Ende zu sah ich eine völlig unbekannte wunderschöne Landschaft, die in mir eine eigenartige Sehnsucht hervorrief.

Durch die Teilnahme an den Begleitungen fühle ich die Möglichkeit des Aufgehobenseins. Der Wunsch und die Hoffnung sind in mir erwacht, auch ein Stück mit Gebet begleitet zu werden, wenn ich dies körperliche Welt einmal verlasse, anstatt mit Trauer festgehalten zu werden. Ich beginne zu ahnen welche Kräfte hier am Werk sind.
Interessant waren die Rückmeldungen anderer Teilnehmer der Gruppe bei der Totenbeleitung meiner Angehörigen, welche die Situationen, Eigenheiten, Wut, Ärger, Trauer und sogar körperliche Schmerzlokalisation der Todesursache spiegelten, die mir aus deren Leben bekannt waren.
Für mich persönlich habe ich gelernt, mich näher mit dem Übergang Tod zu beschäftigen, und mit der Möglichkeit mich geistig auf meine "Geburt“ aus diesem Leben vorzubereiten und Ängste abzubauen!
Weiters ist es mir mittlerweile zu einer inneren Verpflichtung geworden, der Bitte zu einer Totenbegleitung zu folgen, da ich selbst die Kraft des gemeinsamen Gebetes im Kreis, als tröstlich und stärkend erlebt hatte. Was tieferes Erfahren, am Erahnen dieses Mysteriums möglich ist entzieht sich dem Beschreibbaren!

 

Martin
Bei meiner ersten Begleitung fühlte ich zuerst eine gewisse "Unbehaglichkeit", dann einen guten Energiefluss. Am Schluss ein gewisses Maß an bewusstem Erleben der Vergänglichkeit. Die Teilnahme an der Begleitung hat mir meine eingene Vergänglichkeit präsenter gemacht, und erinnert das leben bewusster zu erleben.
Eine tiefe Ruhe hat sich in mir dabei eingestellt.
Wertvoll war für mich zu erleben wie so viele "fremde" Personen Anteil am Tod eines Menschen nehmen. Hierbei ist viel Respekt erforderlich - vor dem Tod und gegenüber den Hinterbliebenen.

 

Christine
Meine Erlebnisse waren dabei keine besonderen. Ausser dass mich jede Rezitation ablenkt vom Täglichen hat es nichts in mir bewirkt. Ich machte eigentlich beide Male hauptsächlich deshalb mit, weil die lange Rezitation sehr entspannend ist. Bei der letzten Rezitation konnte ich mich aber gar nicht fallen lassen, weil eine "weggetretene" Sitznachbarin die Kette (Gebetsschnur die von jedem Teilnehmer der Gruppe gehalten wird) nicht weitergab.

 

Josef
Ich hatte bei den Begleitungen das Gefühl tatsächlich ein Stück des Weges mit der Verstorbenen Person zurückzugehen. Es waren bei jeder Begleitung sehr viele Seelen mit uns auf dem Weg. Die Erfahrungen waren sehr verschieden, manchmal war es unbeschwerlich und leicht, dann wieder ein Vorankommen kaum möglich. Bei allen Begleitungen wurde aber gegen Ende zu das Ziel klarer und der Weg leichter zu gehen.
Bei der letzten Begleitung wurde auch meine verstorbene Schwägerin mit eingeschlossen. Diese Begleitung bewirkte bei mir, das ich mich von der Verstorbenen endgültig verabschieden, und sie auch gehen lassen konnte.
Für mich ist bei der Begleitung ein bewußtes Abschiednehmen und auch Gehenlassen möglich. Es ist auch ein sehr schönes Erlebnis eine Seele noch ein Stück, des für uns möglichen Weges, zu begleiten.

 

Elfriede
Ich hatte oft bltzartig auftauchende Gedanken und innere Bilder von dem, was gerade geschieht, manchmal auch Emotionen und körperliches Fühlen.
Es kommt mir vor, wie wenn das Geschehen in "meine Sprache" übersetzt wird. Oft entsteht der Eindruck, dass viel mehr Wesen, als für die die Begleitung gemacht wird, mitreisen und dorhin kommen, wo sie "hingehören". Nach der Flutkatastrophe in Indonesien, und auch sonst immer wieder, hatte ich den Eindruck das (viele) Tiere dabei sind, manchmal auch andere Wesenheiten.
Die Dynamik der Gruppe scheint oft den ablaufenden Weg zu spiegeln.

 

Barbara
Mir ist das Thema Tod ein persönliches Anliegen, denn ich denke, dass viele Probleme die ich habe, damit zusammenhängen, dass meine nächsten Angehörigen nicht ganz gegangen sind oder ich sie nicht habe gehen lassen, und ich nicht trauern habe können.
In meinem Beruf im Krankenhaus ist es mir gerade in den letzten Jahren gelungen trotz allem Stress den Sterbenden und Angehörigen ein gutes Umfeld zu schaffen.
Bei den Begleitungen habe ich immer wieder erlebt das ich körperliche und Psychische Probleme der Verstorbenen, von denen ich vorher nichts wusste, zu meinen gemacht habe. Auch im Leben nehme ich oft Dinge an, die nicht die meinen sind.
Einmal hatte ich z.B. Schmerzen in der Brust während der Begleitung und erfuhr im anschließenden Gespräch das die jung Verstorbene Metastasen in der Lunge gehabt hatte.
Bei der Begleitung einer jungen Frau, die 6 Kinder, zum Teil im Säuglingsalter, hinterlassen hat, habe ich mich schlecht gefühlt, Wut, Aussichtslosigkeit und Unruhe. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Ich habe mich dann von dem durch Qigong gelöst.
Einmal hatte ich Probleme mit der Perlenkette, die auf der einen Seite von einer Teilnehmerin gezogen wurde und vom Vorgäger eingehalten. Ich habe das einfach den beiden überlassen und die Kette durch meine Hand gleiten lassen, sozusagen die Verantwortung anderen überlassen. Beim Nachfragen wurde mir erzählt, dass der Verstorbene in seinem Leben meist genauso gehandelt hat.
Ich sehe die Begleitung für mich als Schule des Weitergehens und des Loslassens - für den Verstorbenen, und auch für mich. Bei den Totenbegleitungen habe ich gelernt Dinge nicht zu meinen zu machen, sondern weiterziehen zu lassen. Wenn es mir im Leben schlecht geht wende ich dieses Mantra auch an, um mich von eigenen Problemen zu lösen.

 

Gabriele
Ich habe die Begleitungen in ihrer Dynamik oft genauso wahrgenommen, wie die betreffende Person gelebt hat und verstorben ist.
Besonders bei meinem Vater. Er war ein sehr arbeitsamer, aktiver Mensch der aber etwa ein Jahr vor seinem Tod seinen inneren Frieden und seine Ruhe gefunden hatte und auch friedvoll eingeschlafen ist. Seine Begleitung war ein völlig gleichmäßiges und ruhiges rezitieren des Mantras. Die Gruppe war eine harmonische Einheit (und das ist nicht immer so). Es war Friede und Dankbarkeit da, Ruhe und Trauer. Ich konnte ihn auch sehen. Er lächelte die ganze Zeit. Erst zum Schluß verblasste das Bild allmählich.

Zurück zur Übersicht      Seitenanfang