Ich trete in ein schwarzes Loch
mit Schnüren, an denen bunten Schellen hängen, die sich bewegen
- trete in einen dunkelroten Raum – es ist heiß – es fällt
mir schwer, mein Anliegen vorzubringen, weil es sehr laut ist. Ich sehe einen
Brunnen. Was hat er zu bedeuten? “Er wäre meiner, bräuchte
nur aus ihm zu schöpfen – aber meine negativen Gedanken würden
das Wasser vergiften.“
Was
muss ich tun?
Ganz laut höre ich die Rassel wie ohrenbetäubendes Gekreische und
Gezeter um meinen Kopf. Ich sehe eine kreischende, bunte Vogelschar über
mir. Fühle ihnen gegenüber Abneigung. Es kostet mich Überwindung,
frage, was sie mir zu sagen hätten. Sie seien meine inneren Ängste
und das Gekreische von außen, das ich einlasse. Ich solle gut hinhören
– nicht verdrängen – soll diese umwandeln, sie als Kraft
nützen - soll mich nicht vor Kritik fürchten – soll meine
Zähne zeigen, wenn notwendig. Ich spürte wie schwer es mir fällt
meine Lippen hochzuziehen – die Zähne zu zeigen.
Ich soll das Gekreische anhören – etwas wegrücken und es als
Teil in eine Melodie einfügen. Ich empfinde jetzt die Rasseln nicht mehr
so unangenehm laut, irgendwie sanfter, weggerückt.
Was kann ich tun? - bekomme vom Brunnen die Aufgabe, dass ich mich meinen
sexuellen Wünschen hingeben soll, sie ausleben, ohne dabei soviel zu
denken.
Tanz
Ich bekam von Kaletao eine Rassel in die Hand gedrückt, obwohl ich viel
lieber eine Trommel haben wollte, sie mir aber nicht nahm, obwohl sie da war.
Auch eine Fußschelle nahm von mir Besitz. Ich fing an zu rasseln –
mochte sie nicht, rasch war das Geschnattere und Gezeter der kreischenden
Vogelschar da. Schrecklich laut, ich zwang mich hinzuhören – es
blieb mir nichts anderes übrig, als sie anzunehmen.
Ich hörte die Trommel eines jungen Mädchens, das herrlich kraftvoll
trommelte. Langsam fügte sich meine Rassel in den Rhythmus der Trommeln
ein, bis es für mich harmonisch klang - konnte mich dem kraftvollen Treiben
hingeben bis mich die Fußschelle störte - ich fühlte mich
beengt, spürte Aggression aufkommen, dachte an Zähnefletschen, befreite
mich von den Schellen. Irgendwann war mir die Rassel vertraut, und ich hatte
das Gefühl, sie zu beherrschen.
Meine Aufmerksamkeit richtete sich auf den Raum. Hier wurde pulsierende Energie
aufgebaut – wunderschöne, unterschiedliche, weibliche Körper
tanzten kraftvolle Befreiung, jeder für sich und doch eine Einheit .
Die fast ekstatisch wilde „Trommel“ war verstummt – sie
kauerte am Boden wie ein kleines Kind, sie steckte fest. Ich spürte eine
traurige Flut aufsteigen, tiefes Mitgefühl, ein Gefühl hier sträubt
sich jemand / etwas dem Ruf des Lebensstromes zu folgen. Karinas Trommel rief
nach ihr – ganz nahe an ihrem Körper. Intuitiv versuchte ich, mit
meiner Rassel ganz sanft zu locken, dieses zusammengekauerte Kind sollte zurückkommen
in die Mitte. Auf einmal wusste ich, sie würde zurückkehren - ging
zu Feuer und Wasserschale, stärkte mich mit deren Kraft. Inzwischen hatte
sich die wilde Trommel in eine Rassel verwandelt – sie riss den Vorhang
zur Spiegelwand zur Seite - tanzte und rasselte wie wild geworden. Meine Rassel
mahnte dagegen ganz bewusst zu Mäßigkeit, wie eine Mutter, die
ihr Kind beruhigen, besänftigen will. Irgendwann wurde die wilde Rassel
langsamer, fügte sich mit geschmeidigen weichen Bewegungen in die Melodie
ein.
Für mich war der Tanz beendet. Es war nicht wilde körperliche Kraft,
die ich spürte, vielmehr eine unbeschreiblich ernste – sie hatte
mit der Leben-Tod-Leben-Natur zu tun. Ein Glücksgefühl, durchdrungen
von Demut und Einsamkeit in der Weite des Ganzen.
Die Frage, die sich mir stellt ist: "Bin ich mit der wilden Trommel und
dem kleinen Kind einem wesentlichen Anteil von mir selbst begegnet?"