Brombeerkultur am Flachdach
Gartenfläche ist, für SelbstversorgerInnen, immer zu wenig und kostbar. Für die meisten ist der Garten immer kleiner als die Wunschliste beim Fachhandel an Bäumen, Sträuchern oder Saatgut für sonstige neue Sorten.
Auf der Suche nach ungenutzten Flächen in meinem, viiel zu kleinen, Garten bin ich auf die Dächer gekommen.

Nachdem ich drei Dornenlose Brombeeren gepflanzt habe, die geschmacklich einfach nur „mau“ waren, wollte ich wieder „richtige Brombeeren“. Dummerweise stechen die ordentlich, brauchen viel Sonne und sehr viel Platz. Außerdem, so kann man gar nicht aufpassen, sind die mit Absenkern (die Tiebspitzen schießen aus großer Höhe innerhalb kurzer Zeit aus dem Strauch zu Boden und treiben dort sofort kräftige Wurzeln).
Damit hat man schnell, gegen seinen Willen, alles voller Brombeeren.
Die Lösung dafür hieß: Holzhütte.
Gefunden hat sie die Brombeere selber. Straßenseitig sind auf einem Streifen von wenigen cm zwischen Holzhütte und Asphalt plötzlich Brombeeren gewachsen. Nur Lehm, Sand und Schotter – es hat ihnen genügt. Ich gieße nie, der Regen trägt auf der abschüssigen Straße scheinbar genug Wasser dorthin. Einmal im Jahr ein Kübel Kaninchenmist und sie sind glücklich. In den ersten Jahren habe ich die Triebe nach oben gebunden damit die Fruchtäste auf dem Dach liegen können.
Inzwischen sind die Stöcke derart mächtig, das ich oben mehrere Zaungitter aufgestellt habe und mit Draht aneinander fixiert. Einige Sandsäcke sichern die Gitter gegen Sturmwind, die beste Sicherung sind jedoch die Ranken selber. Wenn die angebunden sind reißt kein Wind eine Daumendicke Brombeerranke ab (zumindest kein Sturm der nicht ohnehin gleich das ganze Dach mitnehmen würde).
Mit einem Minumum an Pflege ernte ich jährlich 10-15Kg hocharomatische, süße Brombeeren auf ca 4 Metern Länge und das ohne Verbrauch von anderweitig nutzbarem Boden. Auch können sie zwischen Asphalt und Hütte nicht wildwuchern und unkontrolliert ausbreiten.

Pflege insgesamt:
Die einzige Pflege beginnt nach der Ernte Mitte August.
Die abgetragenen Triebe müssen komplett entfernt werden damit die ganze Kraft für das junge Holz zur Verfügung steht. Die Triebe „ernte“ ich über einen Zeitraum von etwa 3 Wochen. Die Blätter sind, von den dornigen Stielen abgeschnitten, ein hervorragendes und sehr beliebtes Futter für die Kaninchen. Gerade im August, wenn frisches, saftiges Grün eher selten ist.
Bereits im Frühling beginnen die Pflanzen damit die jungen Triebe zu bilden, die im nächsten Jahr fruchten werden. Diese Triebe lasse ich bis zur Ernte nicht hinaufwachsen, weil sie sonst mit den alten Trieben einen einzigen Filz bilden, der nicht mehr zu bändigen ist.
Das linke Bild unten zeigt die große Aktion bei der die letzten alten Triebe oben entfernt werden und die jungen Triebe mit einem Rechen auf das Dach gehoben werden. Daneben die Gitter am Dach, an die die jungen Triebe gebunden werden.
Ist das geschafft, dann kann man die Kultur bis zur nächsten Ernte sich selbst überlassen.



Das Prinzip der Gärtnerischen Nutzung von Dächern wie Holzhütten, Garagen- oder Carportdächern oder sonstigen Flachdächern, beschränkt sich aber nicht auf Brombeeren.
An der Nordseite der beschriebenen Holzhütte habe ich vor Jahren einen Asperlbaum gepflanzt. Der ist inzwischen mächtig schief, weil ihm das Dach so gefällt das er sich überwiegend nach Süden ausrichtet und die halbe Krone schon fast auf dem Dach liegt. Genau das erleichtert die Ernte allerdings unglaublich. Ich kann fast den gesamten Baum ohne Leiter und bequem vom Dach aus pflücken.
Auf der anderen Seite des Gartens, direkt neben dem Hühnerstall, stehen ein Apfelbaum und ein Pfirsichbaum. Auch bei diesen beiden ist die Ernte sehr vereinfacht.
Im Grunde ist es bei allen Obstbäumen (wie Kirschen, Zwetschken, Birnen, Kaki,…. ) sehr zu empfehlen sie neben Gebäude mit Flachdächern zu pflanzen
Die Aktionen von Pflege und Ernten der Brombeeren setzten einen erleichterten Zugang zum Dach voraus, der idealerweise nicht über eine Leiter besteht sondern Stiegen oder ähnliches nutzt.
PS: Unter den Brombeeren und den Gittern liegen alte Teppiche um die Dachfolie vor Verletzungen zu schützen.

