Gärtnerwissen
Dieser Artikel ist gedacht für alle die erfolgreich Tomaten, Gurken und Salat in frischer Erde aus dem Baumarkt und mit Jungpflanzen ebenfalls von dort gezogen haben, und voller Stolz der Überzeugung sind bereits ausgelernte GärtnerInnen zu sein, weil das gelungen ist.
Das ist der Versuch eine Perspektive zu schaffen, wie Wissen in der Selbstversorgung mit Gemüse und anderen Nahrpflanzen vertieft werden kann und was alles zur Selbstversorgung dazu gehört. Ja, wie immer ist die Liste sehr stark von meinem eigenen Erfahrungsweg inspiriert….
Hier die Evolution der Gärtnerischen Erfahrung was Erde betrifft:

1. Erde aus dem Baumarkt, die im nächsten Jahr ausgetauscht wird
2. alte Erde nicht austauschen sondern mit Kunstdünger „aufbessern“
3. Kein Kunstdünger sondern mit eigenem Kompost anreichern
4. draufkommen das man mit dem eigenen Kompost eine Menge Unkrautsamen, Asseln und auch Ackerschnecken in alle Beete verteilt hat.
5. Experimente mit Mist – draufkommen das Hühnermist extrem scharf ist und sehr sparsam dosiert werden muss. Draufkommen das nicht alle Pflanzen so viel Stickstoff mögen bzw. viele dann zwar viel Laub machen aber wenig Früchte.
6. Lernen welche Mistart in welcher Menge für welche Pflanzen gut ist
7. Experimente mit Düngejauchen – was, für wen, in welcher Menge….
Der weitere Weg beinhaltet auch sich mit Zeigerpflanzen auseinanderzusetzen die etwas über die Bodenzusammensetzung aussagen können
Sich mit den Veränderungen an den Blättern der Pflanzen beschäftigen die anzeigen was ihnen fehlt
Herausfinden welche Mistarten / Jauchen diese Mangelerscheinungen ausgleichen können.
Pflanzen:
1. verwendet Pflanzen aus dem Handel, fertig gezogen und nur noch einsetzen
2. Zieht die Pflänzchen selber (aus Hybridsaatgut aus dem Supermarkt)
3. Weiß nicht wie die Jungpflanzen aussehen sollen und jätet ganze Kulturen versehentlich aus weil er sie für Unkraut gehalten hat
4. Freut sich über die schönen Samen die da dran sind und baut die im nächsten Jahr selber an
5. kommt drauf was passiert wenn das Hybridsaatgut in seinen Eigenschaften aufspaltet und nicht mehr so schöne, gesunde und ertragreiche Pflanzen wachsen wie mit dem gekauften Saatgut.

6. Beginnt sich mit Vererbungslehre auseinanderzusetzen und kauft im Jahr darauf Samenfestes Saatgut
7. Zieht aus dem samenfesten Saatgut selber neue Samen und wundert sich dass da wieder nicht die selben Sorten kommen
8. Beginnt sich mit Saatgutvermehrung zu beschäftigen und wer, mit wem kreuzt und wie man das verhindern kann
9. Kauft nochmal neues Saatgut von Samenfesten Sorten und schafft es immer öfter das auch sortenrein weiter zu ziehen.
10. kommt drauf das manches Saatgut inzwischen zu alt geworden ist und kaum noch / nicht mehr keimfähig ist. Kauft nochmal nach und beschriftet das nachgezogene mit Jahreszahl.
Danach kann die echte Züchterarbeit beginnen. Die vorhandenen Sorten werden rein weitergezogen, aber bewusst selektiert um die, für diesen Boden und Standort besten Pflanzen auszuwählen. Mit dem vorhandenen Wissen kann man sich mitunter auch an die Zucht neuer Sorten durch geplante Kreuzungen mit anschließender, Jahrelanger Selektion heranmachen.
Pflanzplan:
1. setzt alles einfach irgendwo hin ohne auf den Platzbedarf und Lichtwünsche zu achten
2. kommt drauf das manches deutlich mehr wuchert als anderes und einige Pflanzen untergehen unter ihren Nachbarn
3. Kennt den Platzbedarf der Pflanzen / Sorten und beginnt auf Lichtverhältnisse zu achten und das alle genug davon bekommen
4. Beginnt Gartenplanung was Platz und Pflanzenmengen betrifft zu erstellen
5. Bezieht in die Gartenplanung auch die Pflanzpläne vom Vorjahr ein um auf nötige Düngung für Starkzehrer und Fruchtwechsel zu achten
6. Besitzt inzwischen so viel Sortenreines Saatgut das nicht mehr alle Sorten Jährlich angebaut werden können. Bezieht die Intervalle mit ein wie alt das Saatgut welcher Sorte ist und wann es wieder angebaut werden sollte um das Saatgut zu verjüngen
7. Achtet darauf die nötigen Abstände einzuhalten oder nur eine, von mehreren Sorten in einem Jahr anzubauen um ein ungewolltes Verkreuzen zu verhindern
8. Beginnt die Erntemengen durch Auswahl der Pflanzen bzw. zeitliche Staffelung so zu planen das man nicht in einem Monat an unmengen von z.B. Zuccchini untergeht und im nächsten Monat Gemüse einkaufen muss.
9. Abstimmung vom Pflanzplan mit dem Speiseplan und der vorhandenen Zeit das alles auch zu verarbeiten (Einkochen, trocknen,….)
10. Optimierung mit dem Bedarf (Anteile an Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst) für eine maximale Selbstversorgung.
Das war natürlich immer noch nicht alles, nur mal Perspektive zum Weg der Selbstversorgung im eigenen Garten.
Zum Thema Obstbäume veredeln gibt es bereits einen Beitrag
Dem Pflanzenschutz mit den Themen Spritzmittel, Nützlinge, Biotope schaffen für Nützlinge, Pflanzenjauchen,…… will ich bei Gelegenheit auch einige Zeilen widmen.
Weitere interessante und nützliche Bereiche sind Baumschnitt, Das Thema Wasserversorgung und ausreichende Regenwasserspeicher wird nach dem Sommer 26 immer aktueller, aber auch neue Kulturen wie im Beitrag Garten Im Klimawandel beschrieben werden immer mehr zum Thema.

