Hometrainer-Mühle

/ Krisenvorsorge, Selber machen

Schon lange habe ich kreative Umbauten von Fahrrädern zu Hometrainern bewundert mit denen manche Strom erzeugen, oder Geräte betreiben. Ich habe es immer unsinnig empfunden einen Hometrainer an die Steckdose zu hängen, nur damit ich beim Radeln Strom verbrauche der mir die Drosselung der Mechanik besorgt bei den Berggängen und imaginär gefahrene Runden anzeigt.
Mit dem Wunsch nach einer Getreidemühle, und der Auskunft des Händlers das die Handmühle bei Mais und Hülsenfrüchten nur sehr schwer zu kurbeln ist, kam die Idee einen Fußantrieb zu machen.
Bei der Suche nach einem geeigneten Rad hatte ich Glück, mein Vater hatte ein altes Klapprad das er nicht mehr benutzen wollte. Von diesem Rad habe ich den hinteren Teil genommen. Alles andere abmontiert. Da ich auch den Anspruch an das Gerät hatte bequem zu sitzen und dabei nebenbei auch noch lesen oder einen Film schauen zu können, hab ich das Teil kurzerhand umgedreht und auf den Kopf gestellt. Damit war auch der Sattel unnötig. Sitzgelegenheit sollte ein alter Sessel von meiner Oma werden, der urbequem auch noch Lehnen hat. Zum treten ist das Ganze dann fast wie ein Liegerad auf Hüfthöhe.
Als nächster Schritt stand die Klärung der Übersetzung auf das Schwungrad der Mühle an. Freundlicherweise bekam ich Unterstützung in einer Selbstversorgergruppe und es war schnell klar dass das Originale 22 Zoll Rad eine Übersetzung von 1:6 hätte und das wohl recht mühsam zum Treten wäre. Daher habe ich mir eine 12 Zoll Felge für ein Kinderrad besorgt die die passende Einbaubreite hatte. Hier liegt die zirka Übersetzung bei 1:3, klang entspannter.
Mühle bestellt – eine D525. Die ist vom Hersteller aus auch für Aufrüstung auf Elektromotor oder sonstigen Antrieb vorgesehen.
Als nächsten Schritt den Verkäufer angeschrieben welche Dimension vom Keilriemen nötig ist. Der hat freundlicherweise die Daten vom Hersteller besorgt (AV-10x1625La/SPZ 1612Lw). Leider war der Keilriemen für einen kleinen Elektromotor gedacht und nicht für Fahrradantrieb. Selbiges Keilriemenmodell gute 20 cm länger war dann das Passende.
Mittlerweile hab ich einen Plan gezeichnet, basierend auf Teilen, die in der Garage herumgelegen sind. Sockel sollte ein Stück Vierkantschiene werden, auf die der Rahmen angeschweißt werden sollte. Nach dem Grundgerüst für den Antriebsteil kam das Probieren wo die Mühle am Besten stehen soll. Den ursprünglichen Plan die über den Antriebsteil auf einen Rahmen zu stellen habe ich, angesichts der 22 Kg Eigengewicht der Mühle schnell zugunsten einer stabileren Lösung aufgegeben und für die Mühle gleich hinter der Antriebsfelge einen Sockel in Bodennähe geplant.
Die Felge gab ein neues Problem, sie hat zwar in die Gabel vom Fahrrad gepasst – prinzipiell, trotzdem war der Zahnkranz versetzt zum Zahnkranz vom Rahmen, die Kette sprang nach ein Paar Zähnen Umdrehung heraus. Um das auszugleichen hab ich einen Kettenspanner entworfen.
Ein Metallring mit einer Schraube und Flügelmutter der durch eine, an der Gabel angeschweißte Beilagscheibe geführt wird. Das ermöglicht die Felge in eine passende Schräglage zu bringen damit die Kette gerade laufen kann. Vielleicht nicht ganz die eleganteste Lösung, aber sie funktioniert. Die Spannung von Kette und Keilriemen ist ein wenig tricky. Zuerst habe ich die Felge so in Position gebracht das die Kette optimal läuft, danach die Mühle positioniert, mit Schraubzwingen in die perfekte Position gebracht, Löcher angezeichnet und danach gebohrt. Die Mühle ist mit vier Schrauben mit Flügelmuttern auf der Metallplatte fixiert. Um an die Kette zu kommen oder den Keilriemen wechseln muss man die Flügelmuttern der Mühle öffnen Mühle kippen und man kommt gut zu Keilriemen und Kette.
Ein Problem beim ersten Test war, dass die Konstruktion beim Treten am Parkettboden davon gerutscht ist.
Die Lösung war ein Seil um die Beine des Sessels zu binden und in der Länge im optimalen Abstand für mich an der mittleren Querstrebe des Unterbaus zu befestigen. Damit können Mühle und Sessel nicht mehr auseinander rutschen.

Der letzte Schritt war, das ganze Teil noch einmal auseinander zu nehmen, schleifen, grundieren und spritzen.
Der Omasessel bekam ebenfalls ein neues Outfit – passend dazu. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden 🙂