Selbstversorgen und Nahrungsbedarf

/ Krisenvorsorge

Ich möchte hier den Rat, der in vielen Preppergruppen zu finden ist zum Thema: „wenn alles zusammenbricht brauchst du Saatgut und dann wirst du dich selber ernähren können“ etwas näher unter dem Aspekt Nahrungsbedarf unter die Lupe nehmen.
Es ist wichtig und gut sich mit Krisenvorsorge zu beschäftigen und ein Karton mit Konserven, Dingen des täglichen Bedarfs und entsprechend Trinkwasser ist etwas, das ohnehin in keinem Haushalt fehlen sollte. Die Phantasie ohne Erfahrung, nur mit ein paar Samenpackerl bewaffnet sozusagen von Null auf Hundert als Selbstversorger einsteigen zu können ist jedoch utopisch.
Wir sind es gewohnt unser Essen in kleinen Portionen zu kaufen und nach Hause zu tragen. Über den gesamten, tatsächlichen Jahresbedarf machen wir uns kaum Gedanken. Hier mal ein rechnerisches Beispiel zum Thema Jahresbedarf eines Erwachsenen. Die Kalorienzahlen sind ungefähre Mittelwerte. Der Artikel soll lediglich eine Ahnung vermitteln von der Größe eines solchen Vorhabens.

Zur Ernährung benötigt ein Erwachsener, arbeitender Mensch ca.2500 kal am Tag = 912 500 kal im Jahr. Um auf die Menge zu kommen müsste man von den einzelnen Nahrungsmitteln etwa folgendes konsumieren (das ist ein Rechenbeispiel, keine Ernährungsoption):

Hülsenfrüchte reif/trocken ca. 2700 kal/Kg = 338 Kg/Jahr = 0,9 Kg/Tag
Tomaten 175 kal/Kg = 5214 Kg/Jahr = 14 Kg/Tag
Zucchini 190 kal/Kg = 4803 Kg/Jahr = 13 Kg/Tag
Kürbis 135 kal/Kg = 6760 Kg/Jahr = 18 Kg/Tag
Kartoffeln 685 kal/Kg  = 1332 Kg/Jahr = 3,5 Kg/Tag
Mais (Getreide) 3300 kal/Kg = 267 Kg/Jahr = 0,73 Kg/Tag
Dörrobst 2900 kal/Kg = 315 Kg/Jahr = 0,86 Kg/Tag
Kürbiskern frisch 5600 kal/Kg = 163 Kg/Jahr = 0,45 Kg/Tag
Sonnenblumenkerne 5750 kal/Kg = 158 Kg/Jahr = 0,43 Kg/Tag
Walnuss 6540 kal/Kg = 140 Kg/Jahr = 0,38 Kg/Tag

Hier sieht man schon das es nur mit Gemüse, ohne Getreide und Fett nicht wirklich gut geht bei Kräften zu bleiben. Die Tierzucht ist von diesem Beispiel bewusst ausgenommen, da Tiere eine ordentliche Menge an Futter benötigen, welches dann auch noch zusätzlich angebaut werden muss…..
Das vielzitierte Prepper-Argument „ich hab eine Waffe, ich gehe auf die Jagd“ kommt aus Amerika / Kanada / Alaska, wo es wirklich noch große, wildreiche Wälder gibt und das für viele möglich ist. Hier in Europa ist die Bevölkerungsdichte bei weitem zu hoch und der Raum und Wildbestand nicht groß genug. Das einzige was man hier, nach kurzer Hungersnot, im Wald antreffen und jagen kann sind andere Prepper (die aber ebenfalls bewaffnet sind ;-).
Die Härte Regenwürmer, Heuschrecken und Maden zu essen haben wohl nur wenige (obwohl das sehr wertvolle Ergänzungen für den Speiseplan wären!) außerdem sind die Insekten vielerorts schon so rar das die Singvögel nicht mehr genug feinden um ihre Brut aufzuziehen. Wirklich ernährungsrelevante Mengen für Menschen sind kaum zu finden.

Der Staat empfiehlt für zwei Wochen Trinkwasser und Nahrung Zuhause zu haben, wer sich jedoch auf ein solches Szenario vorbereiten möchte der tut gut daran Vorräte für mindestens 6 bis 9 Monate anzulegen (für einen Winter + die erforderliche Zeit bis zur Ernte). Dem Vorrat einige Flaschen lange haltbares Öl (wie Sonnenblumenöl) extra beizufügen macht auch Sinn, da damit die ersten, vermutlich eher mageren, Ernten Kalorienmäßig aufgefüllt werden können.

PS: auch Alkohol ist von den Kalorien sehr hochwertig und kann bei extremen psychischen Belastungen das eine oder andere mal beim Einschlafen helfen…… er darf nur nicht zur Gewohnheit werden!