Umbau Oma-Ofen

/ Selber machen

Wenn ich an meine Oma denke, dann sehe ich sie immer neben ihrem Ofen stehen. DER Ofen – ein wunderschönes Exemplar alter Haushaltsgerätetradition, die noch den Anspruch an Ästhetik und Langlebigkeit in sich vereinte.
Sie war allerdings die einzige, die damit umgehen konnte. Entweder waren die Thermostate mit der Zeit nicht mehr so genau, ich vermute fast die waren das nie. Kaum aufgedreht haben die Platten bereits fast geglüht und sie hat mir als Kind einmal erklärt: „Du darfst diesem Ofen nie, auch nur für eine Sekunde den Rücken zudrehen – NIEMALS“.

In dem Zustand war der Ofen wie ich ihn nach ihrem Tod bekommen habe. Grundsätzlich funktionsfähig – theoretisch. Praktisch nicht verwendbar.

Viele Jahre stand er dann als Lückenbüßer herum, zu schön zum weggeben, aber, außer als Ablagefläche nutzlos.
Immer wieder der Gedanke „da mach ich mal was draus“. Lange war der Plan in Richtung Gartengriller, davon wurde mir aber mehrfach abgeraten.

Vor ein paar Wochen hat mich der Rappel gepackt und ich habe auf der Stelle begonnen den Ofen zu zerlegen und die schönen Emaille Teile abzumontieren. Leider kam ich erst mittendrinn drauf das ich vergessen habe ihn vorher zu Fotografieren 🙁

Das Innenleben war spannend: dicke Kupferdrähte mit Keramikperlen gegen Hitze isoliert. Das Backrohr rundum dick mit Alufolie eingewickelt – den Stromverbrauch möchte ich lieber nicht wissen.

Das entfernte Innenleben, mitsamt den Ofenplatten, wog einiges und ergab eine ganze Scheibtruhe voll Altmetall. Die Verkleidung hatte es aber auch in sich. Mächtige, dicke Eisenteile, außen emailliert.
Nachdem die Verkleidungen ab waren, stand der Beschluss auch fest was es werden soll: ein Küchenkastel.

Die Ausführung war aber eine ziemliche logistische Herausforderung. In die Platten ist nicht mal schnell ein Loch gebohrt zum Holzplatte anschrauben und die wenigen vorhandenen Bohrungen waren irgendwie „falschrum“.

Angesichts der Emailleteile habe ich mir mit Sehnsucht das letzte Heimwerkerprojekt zurückgewünscht – die Kaninchenställe.

Mit ein wenig überlegen ging es dann doch. Erst einen Sockel unten drauf (der alte ist mit dem Innenleben vom Ofen verloren gegangen). Dann eine Platte, die seitlich in die Leisten passt. Nachdem von Oben oder unten reinschieben nicht möglich war wegen Querstreben, Platte halbiert, Holz hinten hineingepackt und auf die Holzpakete wieder zusammengeschraubt. Hält Bombenfest.

Mit ein paar Holzklötzchen und Leisten ließ sich die Rückwand dann auch gut daran befestigen.

Für die Löcher, in denen die Platten waren, habe ich aus einem Reststück einer dicken Holzplatte runde Teile geschnitten, die ich mit der Flex außen abgerundet habe und innen tiefe Rillen eingeschnitten, damit die gut auf den Metallrändern sitzen.
Zum Befestigen die alten Plattenhalterungen umgedreht und verkehrt von unten angeschraubt.
Das hat allerdings eine Abdeckplatte erforderlich gemacht weil die Kanten sehr scharf waren.
Danach die obere Platte befestigt.


Das ist die Rückseite des Teils mit den Drehschaltern der Platten und vom Backrohr. Ich wollte die Schalter nicht einfach fix befestigen. Nachdem der Ofen noch ziemlich original aussieht besteht die Gefahr das Besucher an den Schaltern drehen und die vielleicht abreißen.

Holzplatte hinterlegt und die Schalter mit Muttern angeschraubt, die lassen sich jetzt drehen. Sollte mir irgendwann mal mächtig Langweilig sein dann hänge ich die, grundsätzlich noch intakte, Backrohrlampe mit einem Schalter an einen der Drehknöpfe und an Strom *gg*

Die untere Blende war Original fix montiert. Ein Regal unten wäre nur sehr schlecht erreichbar gewesen. Eine große Lade nur bedingt mit Gewicht belastbar. Die Lösung war eine exakt passende Kiste mit Rollen und vorne den Teil als Verblendung. In der Sockelblende ein Griff zum Herausziehen.
Das Fassungsvermögen ist enorm und man kommt super zum Raum ganz hinten.

Der Mittelteil hatte es noch in sich. Die Bakrohrtüre hatte mit der Holzplatte mächtig Gewicht. Die Befestigung eine Herausforderung. Einfach mit kleinen Scharnieren hineinschrauben von vornherein sinnlos.

Ich hatte noch schöne große Beschläge Zuhause. Für die richtige Höhe war es aber nötig die von unten an das Bodenbrett anzuschrauben. Dazu waren Löcher zu bohren und passende Schrauben mit Muttern zu finden.

Das Tüfteln wo die Löcher und die Beschläge hingehören war mächtig Zeitaufwändig und gelang mit einer Schablone.
Verschluss dann mit einem Türmagneten und eine Schnur an Ösen als Kippschutz.

Hier nochmal die Holzplatten von Oben. Eigentlich wollte ich es mir einfach machen und fertige Plattenschützer kaufen, leider gab es aber die Größen dieser Platten nicht mehr im Handel.
Damit war schnitzen angesagt.

Das fertige Ergebnis.
Auf den ersten Blick immer noch ein alter Ofen, nur jetzt mit mächtig viel Stauraum. Eine schöne Erinnerung an Oma und gleichzeitig ein funktionelles, nützliches Möbelstück.
Die 22 Jahre, die es gebraucht hat bis ich mich drüber gemacht habe, haben sich gelohnt.
Das bestätigt die alte Weisheit:
„Gut Ding braucht Weile“ 🙂